Leitlinie 2: Anreize für wirtschaftliche Dynamik

Investitionsfreundlichkeit des Steuersystems

Ein investitionsneutrales Steuersystem würde Abschreibungsraten vorsehen, die den ökonomischen Realitäten entsprechen. Dies ist in Österreich weder bei langlebigen Wirtschaftsgütern (Immobilien) noch bei Instandhaltungs- bzw. Instandsetzungsinvestitionen der Fall.

Aus den Konjunkturanalysen ist bekannt, dass bereits seit einigen Jahren die Investitionen als Wachstumstreiber auslassen. Die Investitionsquote sinkt – im Jahr 2000 war das Verhältnis von Bruttoinvestitionen zu BIP noch 26 %, abzüglich Abschreibungen waren es knapp 10 %. Im Jahr 2014 war die Bruttoinvestitionsquote weniger als 22,7 %, die Nettoinvestitionsquote 4,8 %. Die Volkswirtschaft braucht also dringend einen Investitionsschub, was unter anderem auch durch ein investitionsfreundliches bzw. zumindest investitionsneutrales Steuersystem unterstützt werden kann.

Es kann davon ausgegangen werden, dass die ökonomische Abschreibungsdauer bei Immobilieninvestitionen bei ca. 25 Jahren liegt. Bei anderen Gütern ist es ökonomisch realistisch, dass der Wertverlust in den ersten Jahren deutlich höher ausfällt als in den Folgejahren – lineare Abschreibungsraten entsprechen hier also nicht der Realität.
Seit 30 Jahren wurde die Grenze für Geringwertige Wirtschaftsgüter praktisch nicht mehr angehoben. Dies entspricht ebenfalls nicht den ökonomischen Realitäten.

Wir schlagen für Immobilien Abschreibungsraten von 4 % (Abschreibungszeitraum 25 Jahre) vor und für kürzerfristige Investitionen ein Modell der vorzeitigen Abschreibung, das eine gestaffelte Abschreibung des Investitionswerts in den ersten drei Jahren von in Summe 50 bis 60 % vorsieht. Die Grenze für Geringwertige Wirtschaftsgüter soll auf das Zehnfache erhöht werden, von derzeit 400 Euro auf 4.000 Euro.

Eine Folge eines investitionsneutralen bis -freundlichen Steuersystems wäre, dass zahlreiche österreichische Unternehmen, die heute aufgrund hoher Fremdkapitalkosten nicht in der Gewinnzone sind, wieder Gewinne schreiben könnten und ihre Unternehmen daher für die Zukunft aufstellen können.

Eine Erleichterung der Abschreibungsmöglichkeiten amortisiert sich mit der Zeit von selbst. Lediglich im Übergangszeitraum ist mit geringeren fiskalischen Einnahmen zu rechnen: ein Investitionsimpuls der öffentlichen Hand für die Privatwirtschaft, höheres Wirtschaftswachstum und mehr Beschäftigung wären die Folge.